Focusing- und Gesprächstherapie
Focusing ist eine Methode der Wahrnehmungspräzisierung und steht in der Tradition der von Carl Rogers begründeten personzentrierten Gesprächspsychotherapie und deren Weiterentwicklung durch Eugen Gendlins "Experimental Psychotherapy".  
Diese "fokussierende" Methode stellt unsere Wahrnehmung in den Brennpunkt und zentriert die Aufmerksamkeit auf die unmittelbar gegenwärtige Erfahrung. Sie ermöglicht damit ein präzises Wahrnehmen des eigenen Erlebens, Denkens, Fühlens und Handelns.  
Auf diese inneren Vorgänge zu achten heißt sich selbst besser kennen zu lernen, sich anzunehmen und sich zu verändern. Es heißt auch, sich bei der Lösung persönlicher Probleme mehr und mehr auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen zu können.   
 
"Der Köper weiß mehr, als wir wissen. Die Essenz von Focusing ist, dass der Körper unsere Situationen lebt. Und so weiß unser Körper über das, was vorgeht, immer mehr, als wir wissen. ..." *

 

Die Grundhaltung beruht auf:

* Empathie (Einfühlungsvermögen)
* Akzeptanz
* Kongruenz (Echtheit der Person)


Der Focusing-Prozess*:

1. Freiraum schaffen. Sich auf das Problem einstellen, jedoch einen inneren Abstand dazu
    wahren.

2. Einen Felt Sense kommen lassen. Aufmerksamkeit auf Brust-/Bauchraum richten und dabei
    "körperliche Resonanz" zum Thema entstehen lassen.

3. Den Felt Sense beschreiben - "einen Griff finden": Einen Begriff oder eine kurze
    Beschreibung für dieses - meist diffuse - Körpersignal kommen lassen. 

4. Fragen. Was braucht der Felt Sense, um sich mit dem Problem (wieder) wohler zu fühlen
    und Lösungsrichtungen zu entwickeln. 

5. Wird ein Problem in persönlich bedeutungsvoller Weise gelöst oder verändert, so entsteht
    körperlich die Qualität eines sog. "felt shift", einer körperlich spürbaren Veränderung des
    Gefühls, meist als spürbare Erleichterung oder körperliches "sich jetzt besser fühlen".

6. Annehmen und schützen. Schützen des Prozesses gegen innere Kritikerstimmen,
    Ergebnis würdigen.

Die Schritte 1-5 sind kein statischer Prozess und treten nicht zwingend in dieser Reihenfolge auf. Im Verlauf des Focusingprozess kommen die einzelnen Punkte immer wieder in unterschiedlicher Reihenfolge vor.  

* Quelle: (Eugen T. Gendlin, Focusing in der Praxis)